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Die Idee ist das Absolute, und alles Wirkliche ist nur Realisierung der Idee.

Georg W. F. Hegel
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Was wir sagen und wie es ankommt

Es ist eine Binsenweisheit, dass das was wir sagen, oft nicht das ist, was wir meinen. Nicht von ungefähr gibt es Sätze wie „man muss zwischen den Zeilen lesen.“ Kommunikation ist bedeutend vielschichtiger, als wir uns das vorstellen.

Was Manager vom Fußball lernen können

Managementberater und Führungsexperte Reinhard K. Sprenger, Autor mehrerer Bücher, hat den Fußball für Manager entdeckt. Nein, sie sollen nicht spielen, sondern die Weisheiten aus dem Spiel mit dem runden Leder für ihre Zwecke nutzen. Denn, so Sprenger, „Wirtschaftsführer sind da angekommen, wo Trainer und Fußballmanager schon lange sind: bei hohem, kurzfristigem Ergebnisdruck, bei dauernder Veränderung, stetigen Wachstumsansprüchen, globalem Wettbewerb, ständiger Verbesserung, ja Neu-Erfindung.“

Leistung ist dreidimensional

Und so nimmt er denn das Spiel mit dem runden Leder, um Führungskräften zu erläutern, was wichtig ist für den Erfolg des Teams. Die wohl wichtigste Erkenntnis dabei ist, dass Erfolg nicht planbar ist oder nur bedingt. Auch Misserfolg lasse sich nicht vollständig durch die eigene Leistung erklären. Beides hänge immer auch von den aktuellen Gegebenheiten ab. Dasselbe gilt laut Sprenger auch für die individuelle Leistung. Motivation, also der Leistungswille allein, reiche nicht aus. Dazu müssten noch die Leistungsbereitschaft (das Können bzw. Schulung, Weiterbildung, Erfahrung) und die Leistungsmöglichkeit (die Chance bzw. der richtige Arbeitsplatz, Entfaltungsmöglichkeiten) stimmen. Doch Siegeswille lasse sich nicht antrainieren oder abrufen, und Glaube allein versetze auch keine Berge. Aus dieser Erkenntnis heraus schließt, Sprenger, dass es kein Patentrezept für Erfolg gibt. Jedes Unternehmen müssen seinen eigenen Weg im globalen Wettbewerb finden. Jeder Manager müsse selbst entscheiden, welcher Weg unter den sich ständig verändernden Rahmenbedingungen der Beste für das Unternehmen sei.

Die Angst vor dem Scheitern

Der größte Stolperstein dabei sei die Angst der Manager vor Fehlern. Hier seien die Kicker den Managern voraus. Sie wüssten, dass Fehler zum Alltag gehörten. Im Fußball werden keine aufwändigen Systeme etabliert, um nichts falsch zu machen. Im Gegenteil: Scheitern wird bewusst zugelassen. Allerdings werden keine Schuldigen für das Scheitern gesucht, sondern man lernt dazu und behebt die Fehlerquellen. Die Offenheit für Risiken fördere Kreativität und Arbeitsfreude.

Führen ohne Angst vor Fehlern sei die Voraussetzung dafür, den eigenen Fähigkeiten und denen des Teams zu vertrauen. Nur so könne man den eigenen Weg mit Überzeugung gehen, ein Ziel konsequent verfolgen und sich nicht um die Erwartungen der anderen kümmern. Jürgen Klinsmann habe das bei der WM 2006 gezeigt. Ihn habe ausgezeichnet, was eigentlich jede Führungskraft auszeichnen sollte: die Fähigkeit, sich selbst zu führen. Klinsmann baute auf die freiwillige Unterstützung der deutschen Spieler und seines Trainerstabs. Er stärkte ihr Selbstvertrauen durch den Verzicht auf Hierarchien und theoretische Managementkonzepte. Er gab den Spielern Freiraum für Experimente, kanzelte niemand wegen Fehlern ab und ließ alle die Erfahrung machen, nach Niederlagen wieder selbst aufzustehen. „Freiwillige Gefolgsleute sind das unabdingbare Gegenstück zu Führungskräften“, meint Sprenger. Doch dieses Führungsverständnis kollidiert mit der Unfähigkeit vieler Manager, auf Kontrolle zu verzichten. Aber: Wer nicht loslassen und sich selbst vertrauen kann, wird kaum das Vertrauen seines Teams gewinnen.

In diesem Zusammenhang sollte auch die Abhängigkeit von Daten und Zahlen hinterfragt werden, meint Sprenger. Hinter allzu vielen Zahlen stecke in der Regel der Wunsch nach Kontrolle. Dabei bleibe oft die Qualität auf der Strecke, zum Beispiel, wenn der Blick nur auf Kostenkontrolle gerichtet sei. Außerdem seien Zahlen immer subjektiv interpretierbar.

Die richtige Auswahl der Spieler

Natürlich ist die richtige Auswahl der Spieler einer Mannschaft ein entscheidender Faktor für ihre Klasse. Neben Ausbildung und Talent, müssen sie gute Teamspieler sein. Doch was heißt das? Sie müssen sich integrieren können, hinter dem Produkt stehen und fähig sein, für die anderen zu spielen. Miteinander reicht nicht – es muss füreinander sein. Und noch etwas zeigt der Fußball laut Sprenger: Alleskönner sind gefragt. Und selbst die besten Spieler garantierten keinen Erfolg, so Sprenger: „Das Grundproblem der Personalauswahl ist: Erfolgreiche Spieler waren immer unter bestimmten Umständen erfolgreich.“ Das heißt, die Spielregeln und die Bedingungen müssen stimmen. Chaos und Kampf, aber auch zu viel Konsens können den Erfolg gefährden. Möglicherweise ist in der Zusammensetzung des Teams auch der Grund für das Scheitern von Trainer Jürgen Klinsmann bei den Bayern zu suchen. Außerdem hat der Coach einen Teil seiner Unabhängigkeit aufgegeben.

Zum Schluss schreibt Sprenger den Managern noch ins Stammbuch, dass Fußball letztlich von der Begeisterung der Fans lebt, ganz wie ein Unternehmen von der Begeisterung seiner Kunden. Gewinnen um jeden Preis ist da für den Erfolg eher kontraproduktiv, denn letztlich sei es die Fairness, die bei Mitarbeitern und Kunden Begeisterung wecke.

Gut aufgestellt. Fußballstrategien für Manager von Reinhard K. Sprenger, Campus Verlag 2008, ISBN 3593386283, 24,90 €